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Rezept · Mehlspeise · 8 Knödel

Marillenknödel

Im Erdäpfelteig, nicht im Topfenteig. Das ist keine Notlösung, sondern die technisch verlässlichere Variante — und traditionell genauso richtig.

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Wir setzen kein fremdes Bild ein, solange wir kein eigenes haben.

Allergene und Sicherheit

Glutenhaltiges Getreide (Weizen) — in Mehl, Grieß und Semmelbröseln. Manche Margarinen enthalten Soja (Lecithin) — Zutatenliste prüfen.

Zu den Marillenkernen: Bittere Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, aus dem im Körper Blausäure freigesetzt wird. Das BfR empfiehlt für Erwachsene höchstens zwei pro Tag; Kinder, Schwangere und Stillende sollten ganz verzichten. Die Kerne werden hier entfernt und nicht mitverwendet — auch nicht als Aroma.

Warum Erdäpfelteig und nicht Topfenteig

Für Marillenknödel gibt es in Österreich zwei traditionelle Teige, und beide sind alt: den Erdäpfelteig und den Topfenteig. Wer glaubt, Erdäpfelteig sei die Sparvariante, irrt — er ist die ältere und in Niederösterreich die verbreitetere Form.

Für eine pflanzliche Version ist er zusätzlich die klügere Wahl, und zwar aus technischen Gründen:

  • Topfen ist schwer zu ersetzen. Er bringt Wasser, Milchprotein und Säure mit. Pflanzliche Topfenalternativen unterscheiden sich stark im Wassergehalt — von fast trocken bis deutlich feuchter als Topfen. Der Teig muss dann jedes Mal neu justiert werden.
  • Erdäpfelteig braucht ohnehin kein Ei. Die Stärke der Erdäpfel bindet. Viele klassische Rezepte enthalten zwar ein Ei, aber es ist nicht nötig — ein Esslöffel Speisestärke leistet dasselbe.
  • Er verzeiht mehr. Ein Erdäpfelteig lässt sich mit etwas Mehl nachjustieren. Ein zu feuchter Topfenteig ist praktisch verloren.

Der Unterschied im Ergebnis: Erdäpfelteig wird etwas fester und sättigender, Topfenteig lockerer und feiner. Beides ist richtig.

Saison

Wann Marillen

Die österreichische Marillensaison läuft grob von Anfang Juli bis Mitte August, je nach Jahr und Lage. Wachauer Marillen sind geschützt und entsprechend teurer; für Knödel tun es Marillen aus dem Burgenland oder aus dem eigenen Garten genauso.

Außerhalb der Saison funktionieren tiefgekühlte Marillen erstaunlich gut — sie werden reif geerntet und sofort verarbeitet. Sie müssen vor dem Einschlagen allerdings gut abtropfen, sonst weicht der Teig auf. Marillen aus dem Glas sind zu weich und zerfallen.

Reife erkennt man am Duft, nicht an der Farbe. Eine Marille, die nicht riecht, schmeckt auch nicht — daran ändert der Zuckerwürfel nichts.

Zutaten

Für 8 Knödel, 4 Portionen

500 g
Erdäpfel, mehligMehlige Sorten, keine speckigen. Sie nehmen weniger Wasser auf.
150 g
Weizenmehl, glatt
50 g
WeizengrießNimmt Restfeuchte auf und macht den Teig geschmeidiger.
30 g
SpeisestärkeErsetzt das Ei. Bindet beim Garen.
30 g
Vegane MargarineFür den Teig. Zutatenliste auf Soja prüfen.
8 Stück
Marillen, reifNicht zu groß. Sonst hält der Teig nicht.
8 Stück
WürfelzuckerIn den Kernhohlraum. Löst sich beim Garen und macht den Saft.
80 g
Semmelbrösel
50 g
Vegane Margarine für die Brösel
2 EL
ZuckerFür die Brösel.
nach Bedarf
Staubzucker, Salz

Zubereitung

Etwa 85 Minuten, plus Auskühlzeit

1
Erdäpfel kochen und vollständig auskühlenIn der Schale weich kochen, noch heiß schälen und durch die Presse drücken. Dann vollständig auskühlen lassen, am besten über Nacht. Das ist der entscheidende Schritt: Warme Erdäpfelmasse verkleistert beim Kneten und macht den Teig klebrig und wasserziehend.
2
Teig knetenKalte Masse mit Mehl, Grieß, Stärke, Margarine und Salz rasch zu einem glatten Teig verkneten. Nicht lange bearbeiten — je länger, desto klebriger. Der Teig soll sich vom Rand lösen und nicht an den Händen kleben.
3
Marillen füllenWaschen, an der Naht aufdrücken, Kern entnehmen und entsorgen. Je ein Stück Würfelzucker in den Hohlraum.
4
EinschlagenTeig in acht gleiche Portionen teilen, jede auf der bemehlten Hand flach drücken, Marille daraufsetzen und den Teig rundum hochziehen. Vollständig verschließen — jede Öffnung lässt Wasser eindringen und den Knödel platzen.
5
Garen bei schwacher HitzeIn reichlich Salzwasser schwach siedend, nicht sprudelnd 12 bis 15 Minuten ziehen lassen. Sprudelndes Wasser reißt die Knödel auf. Sie steigen auf, wenn sie fertig sind — dann noch zwei Minuten ziehen lassen.
6
Brösel röstenMargarine schmelzen, Brösel mit Zucker bei mittlerer Hitze goldbraun rösten — dabei rühren, sie werden von einem Moment auf den anderen dunkel. Knödel abtropfen, darin wenden, Staubzucker darüber.

Nährwerte

Je Portion, berechnet

BRENNWERT
rund 480 kcalZwei Knödel mit Bröseln, etwa 230 g
EIWEISS
rund 8 g
FETT
rund 16 gdavon gesättigt rund 5 g, überwiegend aus der Margarine
KOHLENHYDRATE
rund 74 gdavon Zucker rund 20 g
BALLASTSTOFFE
rund 5 g
SALZ
rund 0,6 g

Berechnungsgrundlage: Bundeslebensmittelschlüssel, Portionsgröße rund 230 g. Wasseraufnahme beim Garen berücksichtigt. Die Angaben sind berechnet, nicht analysiert. Margarinen unterscheiden sich im Fettgehalt erheblich, die Bröselmenge schwankt beim Wenden.

Das ist eine Mehlspeise und als Hauptmahlzeit gedacht, wie es in Österreich üblich ist — nicht als Nachspeise nach einem vollen Menü.

Varianten

Was sich ändern lässt

ANDERE FRÜCHTE
Zwetschken im Spätsommer, Erdbeeren im FrühsommerZwetschken funktionieren am besten, weil sie fest sind. Erdbeeren geben viel Saft — Teig etwas dicker lassen. Keine Allergenänderung.
GLUTENFREI
Glutenfreie Mehlmischung, Maisgrieß, doppelte StärkeFunktioniert, der Teig wird aber deutlich mürber und reißt leichter. Vorsichtig einschlagen. Glutenfreie Semmelbrösel prüfen — manche enthalten Ei.
WENIGER FETT
Brösel im Backrohr ohne Margarine röstenSpart rund 8 g Fett pro Portion, schmeckt trockener. Keine Allergenänderung.
NUSSBRÖSEL
Gemahlene Haselnüsse unter die BröselFügt Schalenfrüchte als Allergen hinzu. Geschmacklich die beste Variante.

Hintergrund

Warum die Erdäpfel kalt sein müssen

Erdäpfelstärke verkleistert beim Kochen und bindet dabei Wasser. Solange die Masse warm ist, ist dieser Kleister weich und klebrig. Beim Auskühlen tritt die sogenannte Retrogradation ein: Die Stärkemoleküle lagern sich neu an und geben einen Teil des gebundenen Wassers wieder ab.

Praktisch heißt das: Kalte Erdäpfelmasse braucht deutlich weniger Mehl, um einen formbaren Teig zu ergeben. Wer warm arbeitet, muss Mehl nachschütten — und je mehr Mehl im Teig, desto zäher und trockener der Knödel.

Das ist derselbe Vorgang, der altbackenes Brot hart macht. Was beim Brot ein Nachteil ist, wird hier zum Vorteil.

Deshalb der Rat, die Erdäpfel am Vortag zu kochen. Es ist der einzige Schritt, der sich nicht abkürzen lässt — und der Unterschied zwischen einem Knödel, der hält, und einem, der im Wasser aufgeht.

Zum Rezeptstandard

Warum bei uns auch bei einer Mehlspeise ein Sicherheitshinweis steht — hier zu den Marillenkernen —, erklärt die Rezept-Übersicht.

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