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Pflanzen · Kreislauf

Vom Feld wieder aufs Feld

Kompost, Bokashi, Saatgut, Lebensmittelabfälle und regionale Kreisläufe – was sich im pflanzlichen Haushalt und am kleinen Hof schließen lässt, und was diese Seite nicht behauptet.

Prinzip

Was ein Kreislauf im Haushalt ist

Ein pflanzlicher Haushalt erzeugt vor allem drei Ströme, die sich zurückführen lassen: Pflanzenreste (Schalen, Strünke, Kaffeesud, Gartenschnitt), Saatgut (Kerne, Samen, Knollen) und Wissen (welche Sorte am Standort trägt). Dazu kommt der Einkauf, der entscheidet, wie weit der Kreis reicht: vom eigenen Beet über den Markt in der Region bis zur Ware aus Übersee. Diese Seite ordnet die Werkzeuge nach Aufwand und Belegqualität. Was sie nicht liefert, steht am Ende.

Kompost

Was hinein darf, was nicht, und die Hygiene

gut belegt

Gut geeignet

Obst- und Gemüsereste, Kaffeesud samt Filter, Teereste, angewelkter Rasenschnitt in dünnen Schichten, Laub (Obstbäume, Ahorn, Linde), Baum- und Heckenschnitt zerkleinert, Topfpflanzenerde.

Nur in kleinen Mengen

Zitrusschalen, Papier und Karton unbedruckt, Holzasche von unbehandeltem Holz, Einstreu pflanzenfressender Kleintiere. Im pflanzlichen Haushalt entfallen Fleisch, Knochen und Milchreste ohnehin.

Nicht in den Hauskompost

Gekochte Speisereste (Ratten), kranke oder von Schädlingen befallene Pflanzen, samentragende Wurzelunkräuter, invasive Arten wie Ragweed (Ambrosia) und Riesen-Bärenklau, Glas, Metall, Kunststoff. Das gehört in die Biotonne oder den Restmüll.

Hygiene. Krankheitserreger und Unkrautsamen werden im Hauskompost nicht sicher abgetötet. Gewerbliche Kompostwerke halten mindestens 55 °C über zwei Wochen; ein Hausgartenkompost erreicht das selten. Deshalb: kranke Pflanzenteile (Kraut- und Braunfäule, Kohlhernie, Monilia) und Samenunkräuter nicht auf den eigenen Haufen, sondern in die Biotonne, wo die Hygienisierung kontrolliert abläuft. Das gilt auch für Erde aus Töpfen mit erkrankten Pflanzen.

Mischung und Reife. Das Umweltbundesamt (Deutschland) nennt ein Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis von 25–35 : 1 als günstig – praktisch: Grünes (Küchenreste, Rasen) und Braunes (Laub, Häcksel, Karton) abwechselnd schichten, feucht wie ein ausgedrückter Schwamm, gelegentlich umsetzen gegen Fäulnis. Frischkompost nach 3–6 Monaten, Fertigkompost nach 6–12 Monaten. Für die Flächenbilanz nennt das Umweltbundesamt 50–70 m² Gartenfläche je Haushaltsmitglied, damit der eigene Kompost nicht überdüngt.

Balkon. Wurmkiste (Kompostwürmer) oder Bokashi (unten) sind die Wege ohne Garten. Beide brauchen Abnehmer für das Ergebnis – ein Beet, ein Hochbeet, eine Gemeinschaftsgartengruppe.

Quellen: Umweltbundesamt (DE), Kompostfibel – Richtig kompostieren, 2015 (Stoffliste, 55 °C über zwei Wochen, C/N 25–35 : 1, Reifezeiten); Umweltbundesamt (DE), Nachhaltig gärtnern mit Kompost und Komposterde, Stand 13.04.2026 (Hygiene, 50–70 m²), beide abgerufen 28.09.2026.

Bokashi

Fermentieren statt Verrotten

schwach belegt

Bokashi ist eine milchsaure Fermentation von Küchenresten in einem luftdichten Eimer mit zugesetzten Mikroorganismen auf Trägermaterial (Kleie). Nach etwa zwei Wochen ist das Material sauer und konserviert, aber nicht abgebaut; es muss in Erde oder Kompost eingearbeitet werden, wo es rasch zersetzt wird. Die ablaufende Flüssigkeit ist stark sauer und wird verdünnt als Gießzusatz beschrieben.

Einstufung: Das Verfahren ist verbreitet und funktioniert als Zwischenlagerung ohne Geruch in der Wohnung. Belastbare Vergleichsstudien zu Nährstoffwirkung und Hygiene gegenüber Kompost liegen für den Hausgebrauch kaum vor; Zahlen zu Erträgen oder Mikrobiologie nennt diese Seite deshalb nicht. Für Bokashi gilt dieselbe Grenze wie für Kompost: kranke Pflanzen und Samenunkräuter gehören nicht hinein, weil die Temperatur nicht hygienisiert.

Quellen: Verfahrensbeschreibung nach allgemein zugänglichen Anleitungen; keine Primärstudie geprüft – als schwach belegt geführt. Hygienegrenze analog Umweltbundesamt 2015.

Saatgut

Der Schluss des Kreises

gut belegt

Wer von samenfesten Sorten Saatgut nimmt, muss im nächsten Jahr nichts zukaufen und passt die Sorte nach und nach an den Standort an. Bei Selbstbestäubern (Paradeiser, Bohne, Erbse, Salat) genügen wenige Pflanzen und drei Meter Abstand; Fremdbestäuber brauchen Abstand, Blütenbeutel oder Handbestäubung. Die Tabelle nach Familien, die Keimprobe und das Verzeichnis der Samenbanken stehen unter Samen und Samenbanken. Überschuss lässt sich über Tauschbörsen und die dort genannten Vereine weitergeben – so verlässt der Kreis den eigenen Garten, ohne Geld zu brauchen.

Quellen: Seed Savers Exchange, Crop-Specific Seed Saving Guide (Abruf 25.09.2026); Arche Noah, Saatgutgewinnung für Einsteiger (Abruf 25.09.2026).

Lebensmittelabfälle

Vermeiden vor Verwerten

gut belegt

Nach der Studie des Instituts für Abfallwirtschaft der BOKU Wien mit dem WWF Österreich (veröffentlicht 28.04.2020) landen in Österreich rund eine Million Tonnen genießbarer Lebensmittel jährlich im Müll, davon 521.000 Tonnen direkt in den Haushalten – bis zu 133 Kilogramm genussfähiger Lebensmittel je Haushalt und Jahr. Der Haushalt ist damit der größte einzelne Hebel.

Was im pflanzlichen Haushalt wirkt, ohne dass es Zahlen bräuchte: Vorrat sichtbar halten (Gläser, nicht Tüten), Wochenplan vor dem Einkauf, Reste am nächsten Tag einplanen, Schalen und Strünke als Fond oder Suppe, Brot einfrieren statt austrocknen lassen, Obst mit Druckstellen zu Kompott oder Röster. Was dann noch übrig ist, geht auf den Kompost – als letzter Schritt, nicht als erster.

Quellen: BOKU Wien, Institut für Abfallwirtschaft, mit WWF Österreich: Pressemitteilung Eine Million Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll, 28.04.2020, boku.ac.at, abgerufen 28.09.2026. Neuere Erhebungen des BMLUK liegen vor, wurden hier aber nicht geprüft.

Einkauf

Regional und saisonal

gut belegt im Prinzip, Zahlen bewusst weggelassen

Saison

Was gerade reif ist, braucht keine Heizung im Glashaus und keinen langen Weg. Der Saisonkalender zeigt Monat für Monat, was in Österreich geerntet wird – mit Nährwerten.

Region

Bauernmärkte, Hofläden, Gemeinschaftsgärten, solidarische Landwirtschaft und Streuobst-Initiativen bilden regionale Kreisläufe. Wo sie in Österreich zu finden sind, sammelt das Netzwerk – ohne Siegel, ohne Bezahlung für Sichtbarkeit.

Vorrat

Ernte- und Marktüberschuss einkochen, dörren, fermentieren: Haltbarmachen, mit den Pflichthinweisen des Rezept-Standards zu Öleinlagen und Fermenten.

Grenze

Was diese Seite nicht behauptet

Keine CO₂-Zahlen. Bilanzen für Transport, Glashaus, Kompost oder Bokashi hängen von Annahmen ab, die je Studie verschieden sind; ohne Quelle mit Jahr steht hier keine Zahl. Wer die Umweltbilanz pflanzlicher Ernährung mit Belegen lesen will, findet sie unter Journal: Umweltbilanz.

Keine Ertragsversprechen für Kompost oder Bokashi, keine Aussagen zu Bodengesundheit über das hinaus, was die zitierten Behördenleitfäden sagen. Keine Rechtsauskunft zu Kompostierung am Hof, zur Biotonne oder zum Sammeln – das ist Landes- und Gemeindesache und wird hier nicht recherchiert.

Einstufung der Belege auf dieser Seite: Kompost gut belegt (Behördenleitfäden mit Jahr), Lebensmittelabfälle gut belegt (Studie mit Datum), Saatgut gut belegt im Prinzip und mittel belegt in den Abständen, Bokashi schwach belegt.

Zum Bereich

Kreislauf heißt hier: Reste zurück in den Boden, Saatgut zurück ins Beet, Einkauf zurück in die Region – jeder Schritt mit der Belegqualität, die er hat. Passt dazu: Samen · Saisonkalender · Netzwerk · Haltbarmachen · Garten.

Thomas Schüller · HerbivoreVibes

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